schamanische Trancereise – theoretische Einführung

Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem schamanischen Konzept einer anderen Dimension, die zwar Teil unserer Realität ist, die wir aber normalerweise nicht wahrnehmen können. Der Schamanismus geht davon aus, dass diese andere Dimension direkt mit unserer Wirklichkeit zusammenhängt, dass unsere und die andere Welt sich gegenseitig beeinflussen. Es gibt für diese Ebene viele Namen. „Anderswelt“, „NAW (nicht alltägliche Wirklichkeit)“, „Nagual“, … In fast allen schamanischen Kulturen existiert der Glaube an eine solche Welt, die von Geistern und Gottheiten bewohnt wird. Um mit diesen Wesen zu kommunizieren und zu interagieren, werden verschiedene Trancetechniken benutzt, die das Bewusstsein des Praktizierenden in diese Ebene versetzen. Wie das geht, wird weiter unten in diesem Artikel genauer erklärt. Zunächst noch ein paar grundlegende Informationen über diese andere Dimension und was genau man dort tun kann.

Klassischerweise wird die NAW in verschiedene Bereiche aufgeteilt:

Der Kontakt zu Ahnengeistern spielt im Schamanismus eine wichtige Rolle. Er kann in einer Art „Unterwelt“ hergestellt werden, einer Welt des Todes, in der auch Totengötter, dämonische Kreaturen und destruktive Kräfte aller Art wohnen. Die Ahnen sind die Verbindung zu der Weisheit und den Erfahrungen früherer Generationen, mit denen wir unsere Entwicklung nachvollziehen können. Wir können die Toten um Rat fragen oder auch um Hilfe bitten. In einigen Kulturen schreibt man den Ahnen sehr starke magische Kräfte zu. Auch die eigenen vergangenen Inkarnationen können in dieser Welt erforscht werden.

Generell ist in der Unterwelt Vorsicht geboten. Sie ist oft ein düsterer, unheimlicher Ort. Die dämonischen Wesen, die hier beheimatet sind müssen aber dennoch nicht unbedingt böswillig oder feindselig eingestellt sein. Sie helfen bei Transformationsprozessen, beim Lösen von Blockaden und Aufbrechen von alten Mustern.

Ein weiterer Bereich ist die „mittlere Welt“. Sie ist eine Art feinstofflicher Spiegel unserer diesseitigen Ebene, der physisch wahrnehmbaren Realität. Was in der mittleren Welt wahrgenommen wird muss sich aber deswegen nicht zwingend mit der physischen Realität decken. Ein Schamane, der in der mittleren Welt beispielsweise mein Haus anreist kann dieses Haus auch als einen grünen Berg wahrnehmen. Die Sinneseindrücke, die während einer Trancereise passieren sind eine Übersetzung, ähnlich einem Traum. Das, was in der anderen Dimension passiert ist für unser alltägliches Bewusstsein nur schwer bis gar nicht nachvollziehbar. Wir sind an das Diesseits gewöhnt. Deswegen werden die Eindrücke in eine Sprache übersetzt, die wir verstehen und interpretieren können. Dennoch sollten die Eindrücke, die Schamanen in Trance wahrnehmen nicht mit einem Traum oder mit Phantasie verwechselt werden. Traumbilder können in diesen Trancezuständen tatsächlich auch auftreten. Aber normalerweise ist das, was in der NAW passiert sehr real, auch wenn es sich für uns oft nicht so anfühlen mag.

In der mittleren Welt trifft man auf Geister aller Art. In vielen Traditionen gibt es geistige Helfer und Lehrer in Tiergestalt, sogenannte „Krafttiere“. Diesen Tieren kann man hier begegnen um mit ihnen zu arbeiten. Die Tiergestalt dieser Geister ist ebenso wie alle anderen Eindrücke ein Symbol. Es steht für bestimmte Qualitäten, die dieses Tier repräsentiert. Bären kann man beispielsweise mit Stärke und Größe in Verbindung bringen, Füchse mit Intelligenz und Schönheit. Nein, das war keine Anspielung. 😉 Weiterhin gibt es auch sogenannte „Totems“. Anders als bei Krafttieren, die externe Geister sind handelt es sich bei Totems um einen Anteil der eigenen Seele/des Selbstes. Es ist eine Art Clantier, das uns mit Anderen verbindet, die das selbe Totem haben. Diesen Wesen zu begegnen und sie zu erforschen kann einem sehr viel über sich selbst beibringen.

Der Wohnort von höheren Hilfswesen, Gottheiten und Lichtgeistern ist die „obere Welt“. Dies ist ein Ort an den man gewöhnlich nur selten geht. Hier oben finden ebenso wie in der Unterwelt Transformationsrozesse statt, die sich aber mehr auf spirituelle Entwicklungen beziehen, weniger auf alltägliche Dinge. In der oberen Welt begegnet man seinem „höheren Selbst“ (vorausgesetzt man hat eins 😉 ) und seinen Schutzengeln. Man redet mit Gottheiten über spirituelle Aufgaben und Schicksal und erfährt seelische und körperliche Heilung aller Art. Warum man dann nicht jeden Tag dort ist? Weil dieser Ort bewacht wird. Bevor man zu höheren, erleuchteten Wesen und Gottheiten gelangt muss man an Wesen vorbei, die nur selten ein Tor öffnen, das in ihre Ebene führt. Das erscheint auch logisch. Was würdest Du tun wenn Du Gott wärst und jeden Tag würde die gesamte Existenz an Deine Tür klopfen?

Wie funktioniert das?

Die Techniken, die benutzt werden um einen Trancezustandt zu erreichen sind sehr vielfältig. Einfache Dinge wie Trommelrhythmen, Gesänge und Tänze, anstrengende Methoden wie Schmerztrance, Reizdeprivation, Reizüberflutung, Fasten und Schlafentzug, abenteuerliche Reisen mit halluzinogenen Substanzen… etc. Sie alle hier im Detail zu behandeln würde den Rahmen dieses Artikels deutlich sprengen, daher beschränken wir uns auf die Methode des Trommelns, die wir selbst auch am meisten verwenden.

Es empfiehlt sich, einen gleichmäßigen Rhythmus mit der Trommel zu schlagen, etwa so schnell wie das eigene Herz schlägt. Dieser monotone Trommelschlag führt in der Regel sehr schnell zu einem anderen Bewusstseinszustand. Der Grund dafür ist einfach erklärt: Wir alle sind von Geburt an auf Rhythmus geprägt. Schon vor der Geburt hören wir den monotonen Herzschlag der Mutter direkt über unserem Kopf. Wird dieser Herzschlag von der Trommel imitiert und lässt man sich darauf ein, gleitet man schnell in eine Trance. Dies verändert den Bewusstseinzustand und die Wahrnehmung. Was dann passiert ist im Grunde in jeder Tradition das selbe, ganz egal welches Mittel für das Erreichen der Trance gewählt wird. In diesem Zustand sucht man nun nach einem Eingang in die NAW. Das geht beispielsweise indem man einen Tunnel visualisiert, durch den man fliegt oder eine Tür, die man öffnet. Wer sich mit Visualisation schwer tut kann sich auf andere Sinneseindrücke konzentrieren, die aus der NAW kommen. Gefühle, Geräusche, Gerüche, evtl. Stimmen, Informationen, etc. Erfahrene Schamanen können allein durch Trommeln in eine so tiefe Trance gelangen, dass die Eindrücke, die sie aus der NAW erhalten sich vollkommen echt anfühlen, als wären sie körperlich völlig auf die andere Ebene gewechselt.

Was im Weiteren passiert ist nicht erklärbar. Jede schamanische Reise verläuft anders. Was Du sehen wirst und wem Du begegnen wirst können wir Dir nicht sagen. Wo Du landen wirst können wir Dir nicht sagen. Wir können Dir nur sagen dass Du Dich in dieser Trance von Deinen Instinkten leiten lassen solltest. Wenn Du an einen bestimmten Ort willst, dann versuche ein Portal zu diesem Ort zu erschaffen. Erwarte nichts, rechne mit allem. Und bedenke: Alles, was Du drüben tust, wird Auswirkungen haben, sowohl dort als auch hier, denn beide Welten hängen miteinander zusammen.

Genau das macht schamanische Reisen magisch sehr interessant. Abgesehen von Selbsterkenntnissen und transformatorischen Heilungsprozessen kann man auf solchen Reisen auch wunderbar zaubern. Besonders in der mittleren Welt, die das Diesseits spiegelt können erstaunliche Effekte erzielt werden. Du kannst Dir Informationen über bestimmte energetische Zusammenhänge beschaffen, indem Du bestimmte Orte oder Personen anreist. Du kannst gesundheitliche Probleme erkennen, Du kannst sogar einzelne Organe anreisen und sie vielleicht sogar heilen oder irgendwie verbessern. Du kannst Dir Häuser und Stadtviertel Deiner Stadt oder die eines ganz fremden Ortes anschauen und mit den dort wohnenden Geistern reden, energetische Sigillen in Ubahn-Schächten platzieren und sie durch die Tunnel fahren lassen… die Möglichkeiten magischer Intervention sind hier sehr vielfältig. Hinzu kommt dass man hier oft Hilfe von seinen Verbündeten (Krafttiere, Totems, etc.) hat.

Wer sich auf die Suche nach anderen Welten begibt, kann große magische Erfolge erzielen, einfach nur dadurch dass er im Wohnzimmer sitzt und eine Trommel spielt. Es geht kaum einfacher. Ein Versuch lohnt sich. 😉

– Bär und Fuchs

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Feueradler im Wohnzimmer

Hausgeister sind eine spannende Angelegenheit. Und damit meine ich nicht die Geister von Verstorbenen, die noch immer in ihrem alten Heim herumspuken. Ich meine damit lebendige Wesen, die keinen festen Körper haben. Wesen, die mit einem Ort verbunden sind, sich um ihn kümmern und ihn vor allen störenden Einflüssen beschützen. Das können entweder selbstständige Geister sein, die Gefallen an einem bestimmten Ort gefunden und sich dort eingenistet haben. Oder aber solche, die eine Personifikation des Ortes sind, an dem sie sich aufhalten. Im Falle eines Hauses also sozusagen das Bewusstsein dieses Hauses, das sich energetisch manifestiert. Um letzteres handelt es sich bei dem Adler, der bei Bär und mir wohnt. Man sollte solche Wesen keinesfalls als „energetische Haustiere“ sehen, sondern vielmehr als eigenständige, mächtige Geister, denen man respektvoll begegnen sollte und deren Kräfte man sich nutzbar machen kann.

Ich habe den Adler bereits kennengelernt, als wir die Wohnung noch gar nicht fix hatten. Als nach der Wohnungsbesichtigung klar war, dass wir gern hier einziehen würden und uns dafür gegen viele Konkurrenten durchsetzen mussten haben wir eine schamanische Trancereise gemacht, um die Wohnung für alle Anderen sozusagen magisch zu „versperren“. Hierbei habe ich den Adler das erste Mal gesehen. Sehr groß, violett, überall brennend. Und nein, er ist kein Phönix, er ist ein brennender Adler. Er legt viel wert darauf dass das nicht verwechselt wird. Ich habe ihn gefragt, ob er uns helfen kann. Im Gegenzug dafür habe ich ihm versprochen, dass wir gut auf die Wohnung aufpassen, uns um ihn kümmern und mit ihm zusammenarbeiten. Diesen Deal ist der Adler eingegangen und hat sogleich angefangen, laut zu schreien und mit den Flügeln zu schlagen. Er hat die Wohnung verteidigt, als wären wir bereits eingezogen. 48 Stunden später erhielten wir den Anruf von der Hausverwaltung, dass wir vorbei kommen und den Vertrag unterschreiben können. Und jetzt, da wir in der Wohnung wohnen kann ich ihn auch ohne Trancezustände wahrnehmen, meist als eine blasse Silhouette, manchmal aber auch deutlicher.

Und nun? Was macht man mit einem riesigen, violetten, brennenden Hausgeistadler in der Mitte vom Wohnzimmer? Das haben wir uns auch gefragt, denn einfach ist der Umgang mit ihm nicht: Wir haben kurz nach dem Einzug festgestellt, dass er ein sehr hitziges Temperament hat. Als ich beispielsweise mit Bär darüber nachgedacht habe ein Bild von Ganesha an die Wohnungstür zu hängen (Ganesha ist traditionell ein Bringer von Glück und Segen für das neue Heim) hat der Adler sofort sehr verärgert protestiert. Alle Angelegenheiten, die seine Wohnung betreffen sind anscheinend allein seine Sache.

Wir haben beschlossen diese wilde Dynamik zu nutzen und eine weitere schamanische Reise gemacht, in der wir ihn gefragt haben ob er Lust hat uns bei unseren magischen Arbeiten zu unterstützen. Hierzu habe ich Silberamulette geschmiedet, die wir als Verbindung zu seiner Energie während der Reise getragen haben.

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Während dieser zweiten Reise hat der Adler uns Symbole gezeigt; zwei Dreiecke, die auf seiner Brust liegen. Eines zeigt nach oben, eines zeigt nach unten. Wir wissen noch nicht genau, was er uns damit sagen will. Eventuell ein Zeichen für die Verbindung von „Oben“ und „Unten“? Oder eine Kraft die aus der Kombination von Gegensätzen erwächst? Wir werden es vermutlich im Laufe der Zeit herausfinden. Fest steht jedenfalls schon jetzt, dass die Silberfedern hervorragend als Schutz- und Kraftamulette funktionieren. Wir haben sie schon bei diversen Ritualen getragen und ihre deutlich wahrnehmbare Energie nutzen können.

Daher ein Tipp an Alle, die bei sich im Haus Geister bemerken: Nicht alle Geister sind Deine Feinde. Nicht jeder Spuk ist bös gemeint. Manchmal kann man sich mit diesen Wesen anfreunden, was für beide Seiten Vorteile hat. Es ist ratsam sich seine energetischen Mitbewohner ganz genau anzuschauen bevor man die Geisterjäger ruft oder ein Kilo Salbei verräuchert, um sie zu vertreiben.

Wer gern mehr über schamanische Trancereisen lernen will sollte den nächsten Artikel nicht verpassen. Wir werden darauf näher eingehen und einen Überblick über das dahinter stehende Weltbild geben.

Bis dahin alles Gute!

– ein begeisterter Fuchs

Vertragen

Im letzten Artikel ist von einem magischen Vertrag die Rede. In diesem Beispiel wollen wir zeigen, wie man sowas in die Praxis umsetzt.

Wie bereits beschrieben geht es in diesem Fall darum zu verhindern, dass die eigene Magie schädliche Auswirkungen hat, die man gern vermieden hätte. Der Vertrag wird zwischen einem Magier und seiner Magie geschlossen. So wird sicher gestellt, dass sowohl seitens des Magiers als auch seitens der Magie bei der Manifestation von Wünschen von vornherein alle schädlichen Wege ausgeschlossen werden. Das betrifft auch Zauber, die schon in der Vergangenheit gesprochen wurden und die noch Auswirkungen auf die Gegenwart haben (können).

Wie geht das? Beispielsweise indem man das Wort „Vertrag“ wörtlich nimmt: Wir haben Verträge geschrieben, schwarz auf weiß.

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Mit der Unterzeichnung dieses Vertrages wird bindend und unwiderruflich festgelegt, dass die Magie von [Name] ihm/ihr weder auf direktem noch auf indirektem Wege Schaden zufügen wird.

Unterschrift Magier:

Unterschrift Magie des Magiers:

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Soweit so gut. Aber wie zum Henker lässt man ein abstraktes Konzept wie Magie auf einem Blatt Papier unterschreiben? Sie hat keinen Körper, also auch keine Hand die einen Stift halten könnte. Und nein, wir haben unsere Magie nicht gebeten, den Stift wie von Geisterhand zu bewegen. Wir haben invoziert:

Nach einer Bannung haben wir zunächst die beiden Verträge energetisch geladen. So wurden aus zwei Blättern Papier magische Dokumente. Und die wurden dann unterschrieben, einmal von uns selbst und einmal von uns als die Magie des jeweils Anderen. Zur Invokation haben wir einen ourano-barbarischen Zauberspruch benutzt. Erstens hat das bei der letzten Invokation erstaunlich gut funktioniert und zweitens hatten wir keinen Bock auf eine komplizierte Zeremonie. Ein einfacher Zauberspruch ist für uns meistens mehr als tausend Worte.

„CHAGLOOW LEVIFITH CHO [Name]“ – „Ich bin die Magie von [Name]“

Eigentlich hätten wir den Zauberspruch aber auch komplett weglassen können. Die Invokation hat so schnell funktioniert, dass wir schon nach etwa 10 Sekunden anfingen, uns seltsam zu verbiegen und seltsame Geräusche von uns zu geben. Irgendwann haben wir dann auf den Verträgen „unterschreiben“ (offenbar ist Magie ein Analphabet).

Was passiert, wenn man die Magie eines Anderen invoziert? Es ist anstrengend und seltsam, wie ein Anzug der einem nicht wirklich passt. Wir haben uns beide unwohl damit gefühlt. Bär hatte mit Hitzeproblemen zu kämpfen, während Fuchs in die Knie ging und die Fäuste auf den Holzboden schlug bis es weh tat. Dennoch hatten wir am Ende unterzeichnete Verträge, alles ist nach Plan verlaufen. Ein gutes Zeichen dafür, dass wir uns mit unserer Magie einig sind, zumindest was diesen Aspekt betrifft. Immerhin hätte es auch sein können, dass sie sich weigert zu unterschreiben.

Wir sind gespannt auf die Zukunft. Sollte es irgendwann nochmal passieren, dass wir durch unsere eigene Magie Schaden erleiden, dann haben wir entweder schlecht gezaubert oder das Universum konnte die Unterschriften nicht lesen. 😉

In diesem Sinne wünschen wir Euch eine möglichst schadenfreie Zeit.

– Bär & Fuchs

Warum Zaubersprüche so gefährlich sind

Wenn man beginnt sich mit Magie zu beschäftigen macht man normalerweise viele Fehler. Ich nehme mich selbst davon nicht aus. Das meiste von dem was ich in meiner Jugend gezaubert habe hat aus meiner heutigen Sichtweise heraus nur wenig bis gar nicht funktioniert. Und ich spreche jetzt nicht von Kerzen, die unabsichtlich umgestoßen werden oder einem falschen Räucherwerk oder einem unpassenden magischen Amulett. Ich meine damit, dass mir das Verständnis dafür fehlte, wie magische Prozesse funktionieren und worauf man achten muss. Und deswegen lag der Fokus auf Dingen, die eigentlich nebensächlich sind. Wie Kerzen, Räucherwerk und Amuletten zum Beispiel.

Es ist sehr hilfreich, wenn man sich theoretisches Wissen aneignet, bevor man mit der magischen Praxis beginnt. Selbstverständlich macht das aber niemand. Es ist viel spannender, sich in’s Abenteuer zu stürzen, mit wehenden Fahnen! Und so passiert es oft dass man erst im Nachhinein die Stolpersteine bemerkt, wenn man sich schon den Fuß daran gestoßen hat. Dieser Artikel beschäftigt sich mit einem solchen Stolperstein. Einem Stolperstein, der selbst vielen Profis nur wenig bis gar nicht bewusst ist. Grad das macht ihn so gefährlich.

Wer kennt nicht den Spruch: „Sei vorsichtig, was Du Dir wünschst!“ Viele Wünsche stellen sich im Nachhinein als schlecht heraus oder haben Folgen, die man vorher nicht bedacht hat. Grad im magischen Bereich kann es passieren, dass alles komplett aus dem Ruder läuft, weil sich ein Wunsch plötzlich ganz anders manifestiert als man es sich gedacht hatte. Magie ist unberechenbar. Wie genau sie funktioniert ist auch mir immer noch in großen Teilen ein Rätsel. Und weil ich im Vorfeld nie genau weiß wie sich ein Zauber manifestieren wird achte ich inzwischen darauf, meine Wünsche so vorausschauend und so präzise wie möglich zu formulieren. Dennoch stolpere auch ich noch hin und wieder über Steine.

Warum sind Zaubersprüche so gefährlich? Weil sie real werden können. Ein Beispiel, um das zu verdeutlichen:

Vor ein paar Jahren hatte ich einen schweren Autounfall, der mich fast das Leben gekostet hätte. Ich lag mehrere Monate im Krankenhaus und hatte diverse Operationen, bis ich wieder zusammengeflickt war. Die meisten meiner Besucher waren sehr bestürzt und voller Sorge, ob ich wieder ganz gesund werden würde. Ich wurde behandelt als sei ich eine teure Porzellanvase. Aber da war auch eine Hexe, mit der ich gut befreundet bin. Natürlich war auch sie besorgt um meine Gesundheit. Aber während die Anderen darum bemüht waren, meinen Heilungsverlauf so angenehm und entspannt wie möglich zu machen, hatte sie auch mahnende, strenge Worte. Sie erinnerte mich an das Ritual, das ich eine Nacht vor dem Unfall gemacht hatte. Der Zauberspruch, bzw. die Intention des Rituals war: „Ich will herausfinden, wer meine wahren Freunde sind.“ Was soll ich sagen… es hat funktioniert. Der Unfall hat mir viel beigebracht. Über mich selbst, über Leben und Tod und auch über die Menschen in meinem Umfeld. Ich weiß jetzt, auf wen ich mich im Ernstfall wirklich verlassen kann. Aber hätte ich geahnt, dass diese Erkenntnisse mit diesem Unfall zusammenhängen, hätte ich den Zauber vermutlich nie ausgesprochen.

Dieses Beispiel kann man auf viele andere Situationen übertragen: Ich wünsche mir Stille und erleide einen Hörsturz, ich wünsche mir Geld und meine reiche Großmutter stirbt, etc. Das ist eine der großen Gefahren von Magie. Möglicherweise sind die Folgen so schlimm, dass man sich wünscht man hätte nie gezaubert. Und das macht Zauberei so riskant, weil man nie alle Punkte ausschließen kann, die schief gehen könnten.  –  Oder doch?

Vor ein paar Wochen hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer Ordensschwester, die mir einen guten Tipp weitergab: Als sie über dieses Thema mit einer befreundeten Hexe sprach, erzählte diese von einem Vertrag, den sie vor vielen Jahren abgeschlossen hatte. Ein Vertrag zwischen ihr und ihrer Magie, der sowohl sie als auch ihre Magie daran bindet, dass keiner ihrer Zauber mehr so verlaufen kann, ihr in irgendeiner Weise direkt oder indirekt zu schaden. Eine sehr schlaue Methode: Wenn ich in einem Ritual einen magischen Pakt mit meiner Magie schließe und sie darauf festlege, bestimmte Verläufe zu vermeiden, dann ist das eine wunderbare Möglichkeit schädliche Wege von vornherein auszuschließen. Wer weiß, hätte ich diesen Vertrag vor meinem Unfall abgeschlossen, wären die daraus entstandenen Erkenntnisse vielleicht auf anderem Wege zu mir gekommen.

Um ein Beispiel dafür zu geben, wie so etwas konkret ausschauen kann, werden Bär und ich heute Abend ein entsprechendes Ritual machen und unsere Erfahrungen dazu in den nächsten Tagen hier veröffentlichen.

Bis dahin alles Gute und pass auf Deine Wünsche auf 😉 ,

– Fuchs