Fernsehen ist doof

Was haben Remote Viewing/Influencing, Hypnose, Siedetrance, binaurale Töne und indonesische Latihan-Meditation mit Illuminationsmagie zu tun? Außer irgendwelcher Gemeinsamkeiten von veränderten Bewußtseinszuständen erst mal gar nichts.
Warum ich diese Begriffe dennoch in den Raum werfe, dazu komme ich im Laufe der nächsten Artikel.

Es wird langsam Zeit ein paar Kreise der bisherigen Geschichte zu schließen und wiederum andere aufzustoßen. Sparen wir uns also heute mal ausnahmsweise den ganzen Firlefanz, um über praktische Erfahrungsberichte zur Bewußtseinserweiterung zu sprechen.

Vermutlich hunderte solcher Techniken habe ich im Laufe der Jahre in einigen tausend magischen Experimenten ausprobiert (Ja leck, da kommt mit der Zeit schon was zusammen, gell?). Die allermeisten habe ich aus unterschiedlichsten Gründen irgendwann wieder aufgegeben, andere finden auch heute noch fast tägliche Anwendung in meiner Arbeit und manches hat zumindest spannende Einsichten in methodische Abläufe gebracht.
Mal vom gröbsten Bullshit abgesehen, bleibende Spuren haben so gut wie alle Herangehensweisen hinterlassen. Und das meine ich durchaus nicht immer im übertragenen Sinne.

So, jetzt aber genug der Phrasen und hinein in die Materie

Kommen wir gleich zu einer komplexen Technik, die sich sicher nicht für jeden eignet.

Remote Viewing:

Remote Viewing“ (RV) bedeutet zu aller erst einmal nichts anderes als „Fernwahrnehmung“. Unter diesem Begriff subsumiert sich heute eine Vielzahl unterschiedlichster Methoden, die oft wenig miteinander zu tun haben.
Ich möchte hier speziell auf das „Technical Remote Viewing“ (TRV) bzw. das „Coordinate Remote Viewing“ (CRV) eingehen. Es handelt sich dabei um eine weitestgehend standardisierte Form der Fernwahrnehmung, die, soweit offiziell bekannt, zwischen den 1970ern und 1990ern vom amerikanischen Militär, dem CIA als auch dem DIA im Rahmen diverser PSI-Forschungen entwickelt und eingesetzt wurde.

Der „Viewer“ folgt dabei einem recht strengen Protokoll anhand dessen er Kontakt mit dem „Target“ aufnimmt und schließlich immer detailliertere Daten darüber sammeln kann. Der Prozess erfolgt weitestgehend schriftlich.

Nähere Infos inkl. weitergehender Links und Literaturempfehlungen finden sich u.a. hier:
http://www.thetawaves.info/wissen/psi/thetawaves_wissen_psi_remote-viewing.html

Eines der wenigen ausführlichen, deutschsprachigen Interviews über RV:
https://www.youtube.com/watch?v=SblGDskCebQ (ab Minute 5)

Ich selbst bin 1997 zum ersten Mal auf RV gestoßen. Es dauerte allerdings noch einige Jahre, bis ich mich wirklich tiefer mit der Materie auseinandergesetzt und die ersten praktischen Arbeiten durchgeführt habe.
Nun, was soll ich groß erzählen? Es funktioniert – zumindest meistens. Einer meiner ersten unwiderlegbaren Erfolge war das exakte Beschreiben und Skizzieren eines Vulkanausbruchs, den ich in einer Doppelblind-Session als Target zugewiesen bekam.
Neben unzähligen naheliegenden Daten die man mit einem solchen Ereignis verbindet (z.B. Lava, Feuer, Hitze, Eruptionen..) konnte ich sogar die Panik und den Schweißgeruch im Fell der flüchtenden Tiere im umliegenden Wald wahrnehmen. Und läge mein zeichnerisches Talent über dem eines 3-jährigen Kindes, ich hätte anstatt rudimentärer Skizzen eine 1:1 Kopie des Zielfotos erstellt.

Skeptiker der ich damals war, hat mich die Detailtreue der Sitzung, gerade in einem derart frühen Trainingsstadium, ziemlich vom Hocker gehauen. Das Potential der Methode und der, mit meinen Anfangserfolgen verbundene, heftige Motivationsschub waren ein wichtiger Eckpfeiler für mich um das „Paranormale“ weiter zu erforschen.
Oder um es auf den Punkt zu bringen: Ohne RV wäre ich definitiv nicht da, wo ich heute stehe.

Außer einem Haufen ähnlich präziser Treffer gabs natürlich auch Sessions die weniger optimal liefen oder so richtig am Ziel vorbeischossen.
Und da kommen wir auch gleich zum Nachteil der Methode. Sie ist in ihrer Durchführung, zumindest für mich, auf Dauer einfach furchtbar langweilig und liegt definitiv nicht jedem. Nach dem 100. bekritzelten A4-Blatt und dem Durchwühlen durch Datenberge die es im Anschluß auch noch zu analysieren gilt, kann einem recht bald die Lust vergehen. Effizienz und Freude an der Tätigkeit stehen für mich in absolut keinem Verhältnis um den Arbeitsaufwand zu rechtfertigen.
Wie sich langjährige RVer aufraffen können Session nach Session runterzubiegen, es wird mir wohl auf Ewig ein Rätsel bleiben. Aber dasselbe kann ich vermutlich auch über Marathonläufer oder Synchronschwimmer sagen.

Fazit:

Ich selbst wende RV in dieser Form nicht mehr an. Dennoch muß gesagt werden, daß RV trotz aller Nachteile durch sein durchdachtes Protokoll grundsätzlich eine gute und für beinahe jeden erlernbare Methodik darstellt. In Abwandlungen lassen sich viele Erkenntnisse und Techniken des RVs auf andere magische Techniken anwenden.

Für mich lag der offensichtliche Nutzen von RV vor allem darin mir selbst zu beweisen, mit irgendeinem „Hokuspokus“ regelmäßig korrekte Informationen über ein mir unbekanntes Ziel zu generieren.
Erst mit der Zeit sollten sich noch deutlich wichtigere Nebeneffekte zeigen, für die damals der Grundstein gelegt wurde.
So wurde ich vor allem darauf trainiert, diesen ganz speziellen Kanal in meinem Bewußtsein zu lokalisieren, über den ich Zugriff auf intuitive Datenströme erhalten kann. Ein großes Problem sowohl des RVs als auch des generellen magischen Prozesses ist nämlich der, zwischen analytischen Assoziationen des Gehirn („AOLs“), Phantasiegebilden und „echten“ (i.S.v zuverlässigen) Rohdaten zu unterscheiden.

An dieser Unterscheidung scheitern übrigens viele divinatorisch sehr begabte Menschen, wenn sie in ihren Ritualen einfach sämtliche Informationen für bare Münze halten, die ihnen ihre Wahrnehmung liefert. Und das stellt mMn am Weg zur persönlichen Erleuchtung einen nicht zu verachtenden Risikofaktor dar. Wer sich dieses Verhalten nämlich über Monate und Jahre angewöhnt, der öffnet schwer abzulegenden Fehlerquellen Tür und Tor. Die Chance dadurch in alten Mustern hängenzubleiben, durch angehäufte Fehlschläge unabsichtlich noch mehr Blockaden aufzubauen oder sich unterwegs gar völlig zu verirren, die kann sich jeder selbst ausmalen.

Remote Influencing

Ein in der Öffentlichkeit eher stiefmütterlich behandeltes Thema ist das
Remote Influencing (RI). Also das direkte Beeinflussen von Zielen (Objekte, Lebewesen, Ereignisse,…) mittels eines Unterprotokolls des RVs.
Brauchbare Literatur gibt es dazu kaum. In der Literatur des d
eutschen RV-Trainers Manfred Jelinski finden sich vereinzelt Kapitel zum Thema. Was ansonsten so im Internet kursiert ist in den meisten Fällen Müll, um unter griffigem Namen Produkte zu verkaufen die nichts mit der eigentlichen Technik zu tun haben.

Einzig d
er ehemalige PSI-Spion Lyn Buchanan hat mMn ein verhältnismäßig interessantes DVD-Set dazu herausgebracht. Erwartet man eine Anleitung zur konkreten Anwendung wird man allerdings eher enttäuscht. Das liegt u.a. daran, daß RI keinem echten Standardprotokoll folgen kann, da jedes Ziel völlig individuelle, sich permanent verändernde und schwer vorhersehbarer Eigenschaften hat.
Liest man zwischen den Zeilen, lassen sich aber immerhin einzelne Puzzleteile herausziehen und
Lyn gibt wichtige Tipps worauf man achten sollte.

Bewußtseinssurfen

In meinen etwas leichtsinnigeren Jahren habe ich ein paar Selbstversuche im RI-Bereich unternommen. Weniger weil es meine Absicht war tatsächlich andere Menschen in irgendeine Richtung zu manipulieren, sondern weil ich in meiner Naivität und Abenteuerlust schlicht wissen wollte wo die Grenzen solcher Methoden liegen.
So soll es heute z.B. in Wien Studenten geben, die beinahe unschaffbare Prüfungen v.a. dadurch bestanden haben, weil ultrastrenge Professoren bei ihrem Anblick plötzlich zahm wie Schoßhunde wurden. (Am Lernaufwand konnte der Erfolg zumindest nicht liegen…)
Einige ähnliche Erlebnisse später war klar, daß die oben angesprochenen Grenzen hauptsächlich von der eigenen Moral und Arbeitsethik bestimmt werden.

Interessanterweise liefern die Hollywoodfilme „The Cell“ und „Inception“ durchaus realistische (natürlich künstlerisch interpretierte) Darstellungen, wie das Vorgehen solcher Methoden grundsätzlich aussieht bzw. auf welche Probleme man beim Eindringen in die Psyche eines Lebewesens stoßen kann.
Einmal vom Abwehrsystem eines Menschen gejagt zu werden, oder sich beinahe im Labyrinth eines psychisch Schwerkranken zu verrennen und nur mit Glück zu entkommen ist jedenfalls eine Erfahrung für sich. Etwas das ich wirklich niemandem wünsche.

Ganz abgesehen vom Schaden den man anrichten kann, wenn man wie ein Elefant im Porzellanladen in einem fremden Bewußtsein herumtrampelt. Und das passiert nur allzu leicht, da jeder Mensch vollkommen anders tickt, auf jedes Dir noch so unwichtig erscheinende Detail viel sensibler oder allergischer reagieren kann als Du etc.
Der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings der einen Orkan auslöst, ist in solchen Fällen absolut keine Übertreibung. (Stichwort: „Kreisel“, sag ich nur und weise dezent noch einmal auf Inception hin)

Fazit:

Das klingt ja alles nicht gerade „nett“ oder einladend. Warum ich hier überhaupt davon schreibe? Nun, es nützt ja niemandem was, wenn ich mir oder uns ins Hemd lüge. Magie kann richtig Scheiße sein und es gehört in der Entwicklung des Magiers manchmal dazu auf die Schnauze zu fliegen oder seine Macht (un-)bewußt zu mißbrauchen.
In den Händen mancher Menschen ist Magie einfach so, als würde man einem Hund den Auslöser einer Atombombe zum Spielen geben. Das KANN lustig werden, ist es aber meistens dann leider doch nicht.

In keinster Weise will ich aber jemanden vor solchen Dingen bewahren oder gar den moralischen Zeigefinger erheben. Das steht mir nicht zu. Für meinen Weg, auf dem Respekt für die freie Selbstbestimmung jedes Individuums ein wichtiges Ettapenziel darstellt, hab ich am Ende auf jeden Fall viel daraus gelernt.

Ob ich abschließend RI für die magische Praxis empfehle? Definitiv nicht, wobei die wenig ausgefeilte Methodik nur einen von vielerlei Gründen darstellt.
Sollte man tatsächlich mal mit einem Menschen ein Problem haben, dann gibt es weit weniger invasive Methoden die den freien Willen zumindest weitestgehend respektieren.
So kann man zB auf der Traumebene im Rahmen von luziden Träumen Menschen kontaktieren und Lösungen für bestehende Probleme gemeinsam aushandeln. Im Verhältnis zur recht großen Erfolgswahrscheinlichkeit bietet diese Methode ein deutlich geringeres Risiko. Und das bei weit wenig Aufwand, wenn man denn einmal luzides Träumen gemeistert hat.

Was für mich, außer emotionalen Narben und vermutlich total doofem Karma, von meinen RV/RI-Ausflügen übriggeblieben ist?
Vor allem ein tiefes Verständnis für das menschliche Bewußtsein, das ich auf anderem Wege vermutlich nie derart komprimiert und unmittelbar hätte erfahren können. Alleine das ist für meine Arbeit als Hypnotiseur und Magier heute ein Schatz an Wissen der unbezahlbar ist.

-Bär

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