Böses Etsy! – Oder nicht?

Ich bin vor einiger Zeit auf einen interessanten Artikel gestoßen, den ich hier gern thematisieren möchte: http://bust.com/etsy-bans-the-sale-of-spells-and-hexes.html

Das Thema: Etsy, eine online-Verkaufsplattform, hat eine neue Regel eingeführt. Diese Regel besagt: Jedwede Art von metaphysischer Dienstleistung, welche verspricht oder nahelegt, sie könne irgendeine Art von physischer Veränderung (beispielsweise Gewichtsverlust) bewirken oder sonst irgendeinen Effekt (beispielsweise Liebe oder Rache) hervorrufen ist nicht erlaubt, selbst dann nicht, wenn ein Gegenstand (im Sinne von Produkt) geliefert wird.

In anderen Worten heißt das, dass die Nutzer dieser Plattform nur noch dann Zauberei und Ähnliches verkaufen dürfen, wenn aus der Beschreibung des Produktes oder der Dienstleistung in keiner Weise hervorgeht, dass das was da verkauft wird „echte“ Magie ist. Sprich: Man darf dort nur noch magische Produkte oder Dienstleistungen anbieten, wenn man den Leuten nicht sagt, dass es tatsächlich funktioniert.

Als Folge dieses Verbots berichten laut Artikel viele Nutzer von Etsy, dass diverse Angebote einfach entfernt wurden. Teilweise seien sogar ganze Shops gelöscht worden. Einige erhielten vorher eine Warnung, andere haben angeblich nicht einmal eine solche Nachricht geschickt bekommen. Der Ärger ist dementsprechend bei vielen Leuten groß. Die Kategorie „Spells, Rituals & Readings“, übersetzt in etwa „Zauber, Rituale und Weissagungen“ ist zwar noch vorhanden, soll aber bald gelöscht werden, um Verwirrungen vorzubeugen.

Etsy, so heißt es weiter, sei sehr vorsichtig geworden, nachdem Verkäufer von Seife und anderen Badeprodukten vor ein paar Monaten gegen die FDA-Regeln (Food and Drug Administration) verstoßen haben, indem sie angaben, ihre Produkte könnten sich in irgendeiner Weise positiv auf die Gesundheit auswirken. Dennoch sind viele Käufer und Verkäufer empört und glauben, bei der neuen Regel handle es sich um eine ganz bewusste Verteufelung und Ablehnung von Wicca, Hexerei und anderen heidnischen Glaubensrichtungen.

Zuletzt wird noch der Hinweis auf eine Petition gegeben, mit der versucht wird, Druck auf Etsy auszuüben und die Durchsetzung dieses Verbotes zu verhindern. Der Artikel stellt sich ganz klar auf die Seite der „armen“ Hexen, Zauberer und sonstiger „metaphysischer Dienstleister“ und fordert: „Etsy, lass unsere Hexen in Ruhe!“

OK… zugegeben. Das war auch meine erste Reaktion. Aber inzwischen sehe ich das anders und bin auf der Seite von Etsy. Jetzt werden sich vielleicht einige Leute fragen, warum zum Teufel ich mich auf die Seite der bösen Betreiber von Etsy stelle, wo ich doch selbst magische Dienstleistungen im Internet anbiete. Da müsste ich doch eigentlich auch gegen das Verbot von Etsy sein… oder? Aber so einfach ist das nicht.

In meinen Augen ist ein solches Verbot die einzige Möglichkeit zu verhindern, dass auf einer online-Plattform wie Etsy nutzloser Unfug als das magische Allheilmittel verkauft wird, was ja inzwischen in einem völlig absurden Ausmaß überall passiert. Esoterischer Ramsch wird in großen Mengen für horrende Preise verkauft. An Leute, die Versprechen wie „Du wirst Deinen Seelenpartner mit diesem Schlüsselanhänger finden“ oder „Du wirst alle karmischen Altlasten abstreifen, wenn Du dieses extra aufgeladene Plastikarmband anlegst“ glauben. Leider gibt es auch in der heutigen Zeit noch viele Menschen, die einem wirklich alles abkaufen, wenn man es überzeugend genug erklärt. Und wenn sich eine so offensichtliche und platte Abzocke auf seriösen online-Märkten abspielt, schädigt dem Image und der Außenwirkung.
Ich kann gut verstehen, wenn sich die Betreiber einer Verkaufsplattform von so einer offensichtlichen Scharlatanerie distanzieren wollen. Wenn ich einen gewissen Namen habe und mich an eine bestimmte Zielgruppe wende, die seriöse Angebote und eine gewisse Qualitätsgarantie erwartet, dann muss ich sowas verbieten. Es ist unmöglich eine Qualitätsgarantie zu versprechen, wenn dem Betreiber unbekannte Nutzer angebliche Zauberei anbieten, die nicht in irgendeiner Weise geprüft werden kann. Bei magischen Angeboten ist es schwer bis gar nicht nachvollziehbar, wer Humbug anbietet und wer gute Qualität verkauft. Und selbst wenn der Verkäufer eines Zaubers seriös arbeitet ist leider nicht immer sichergestellt, dass der bestellte Wunsch wirklich in Erfüllung geht. Gerade das ist ja auch der Grund dafür, dass es in dieser Sparte so viele ekelhafte Scharlatane gibt.

Ich finde es äußerst wichtig, da zu unterscheiden: Etsy will hier keinesfalls irgendeine religiöse Minderheit rausekeln. Das ist eine wirtschaftliche Entscheidung, die nichts mit den Glaubensvorstellungen von den „armen“ Hexen zu tun hat. Es geht um eine Qualitätsgarantie, die bei Produkten und Dienstleistungen von Hexen und Magiern nicht gegeben werden kann. Jeder Geschäftsmann muss so handeln, wenn er ein bestimmtes Image pflegen will.
Aber bitte nicht falsch verstehen! Ich will es nicht verteufeln, dass im Internet magische Dienstleistungen angeboten werden. Wer Magie verkaufen will soll das bitte tun… ich mach’s ja selbst auch. Es geht nicht darum, dass der Verkauf von magischen Produkten oder Dienstleistungen generell kacke ist. Das ist ja auch gar nicht Etsys Aussage. Es geht vielmehr darum, dass das woanders als auf Etsy passieren muss. Frag Dich mal selbst: Würdest Du als seriöser Anbieter dafür ausgelacht werden wollen, dass Du Scharlatanen erlaubst, ihre völlig überteuerten Plastikengel auf Deinem Portal zu verkaufen und ihren Kunden zu versichern, dass sie dadurch die Energien der neuen Zeit spüren werden und endlich in die spirituelle Eigenständigkeit kommen?

Ich finde es an vielen Stellen durchaus gut und berechtigt, dass Neuheiden, Magier, Hexen, Esoteriker, Geistheiler und all das was sonst noch dazu gehört für Toleranz und gleiche Rechte kämpfen. Aber in diesem Fall schießt die Kritik ins Leere, weil sie bei der falschen Stelle ankommt. Nämlich bei Geschäftsmännern, die an Geld denken und daran, wie sie ihre Kunden halten, nicht daran, religiöse Minderheiten zu verbannen.

Ich persönlich fände es gewinnbringender, wenn anstelle eines empörten Aufstampfens und einer Petition gegen die neue Regel von Etsy versucht werden würde, mit dem Problem konstruktiv umzugehen. Es ist völlig klar, dass magische Dienstleistungen und Produkte auf Dauer einen anderen Markt brauchen als solche Plattformen. Und deswegen sollte man in meinen Augen damit anfangen, neue Märkte und Vertriebsmöglichkeiten für sowas zu schaffen, anstatt an den alten, unbrauchbaren Konzepten festzuhalten.

Liebe Grüße,

– Fuchs

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